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Kulturausschuss empfiehlt neue Tafel am Löwen-Denkmal

Bergischer Löwe leidet unter Pflanzen und Moosen“, titelte der Waterbölles am 12. November 2018. Da ist mehr nötig als nur eine herkömmliche Reinigung. Also beauftragte die Stadt einen Diplom-Restaurator für Natursteinarbeiten mit einem Sanierungskonzept. Derzeit werde daran noch gearbeitet, so die Verwaltung am 8. Oktober in der Bezirksvertretung Alt-Remscheid. Geplant sei eine Fugensanierung des Bergischen Löwen für das kommende Jahr. Zwei Tage später kommentierte das der langjährige „Stolperstein“-Polierer Johann Max Franzen so: „Reißt endlich den 'Kotzbrocken' in Löwengestalt ab. Wir brauchen diese Monumentalstatue nicht mehr. Dieser so genannte 'Bergische Löwe' wurde am 1. Mai 1939 auf dem "Adolf-Hitler-Platz" vor 27.000 brauen Parteigenossen vom Nazi-Bürgermeister Kraft eingeweiht.“ In den folgenden Tagen entwickelte sich in den sozialen Netzwerken im Internet eine heftige Diskussion. An dieser beteiligte sich auch der Waterbölles mit einer Neuauflage der erstmals am 25. April 2012 im Waterbölles veröffentlichten Ausschnitte aus dem Buch „Remscheid so wie es war 2“, von Dr. Gerd Courts zur Einweihung des Bergischen Löwen am Tag der Arbeit 1939. Damals füllten 27.000 Menschen den Rathausplatz. Es gab Marschmusik und eine Fahnenweihe, und am Abend illuminierte ein Feuerwerk (»Rathaus in Flammen«) die Szene. Auf dem Sockel des Löwen-Denkmals standen die Worte »Dem Schöpfer des Großdeutschen Reiches in Dankbarkeit 1.5.1939«.

Diese Inschrift wurde nach Kriegsende entfernt. Eine neue Inschrift habe es allerdings erst 1966 gegeben, bei der Einweihung des Rathausplatzes in „Theodor-Heuss-Platz“, erinnerte in der gestrigen Sitzung des Kulturausschusses Fritz Beinersdorf, Fraktionsvorsitzender der Linken. Zu lesen ist dort, es handele sich bei der Statue um den Bergischen Löwen, das Wappentier des Bergischen Landes (das steht so übrigens auch auf Wikipedia). Für Beinersdorf war die gestrige Sitzung ein politischer Erfolg. Denn dass ein Antrag der Linken in einem Ausschuss einstimmig angenommen wird, ist eher die Ausnahme als die Regel. Am 15. Oktober hatte die Fraktion der Linken den Antrag gestellt, der gestern einstimmig angenommen wurde: Die Verwaltung möge „im Zuge der Sanierung des ‚Löwendenkmals‘ auf dem Theodor-Heuss-Platz am Sockel des Denkmals eine Tafel anbringen, die die Historie des Denkmals wahrheitsgetreu und unverfälscht darstellt. Insbesondere die ursprüngliche Widmung: ‚Dem Schöpfer des Großdeutschen Reiches 1. Mai 1939‘ und die Umwidmung von 1966 in ‚Bergischer Löwe, Wappentier des Bergischen Landes seit 1225‘sollten im Text der Tafel enthalten sein.“ In der Begründung heißt es: „Immer wieder wird in der Bevölkerung über das Denkmal gestritten. Teilweise sind diese Diskussionen unsachlich. Mit der Tafel kann die ganze Geschichte des Denkmals dargestellt werden. Ein Denkmal ist immer ein Relikt seiner Zeit und sollte besonders in diesem Fall in seinem historischen Kontext dargestellt werden.“ Beinersdorf gestern dazu: „Der braune Ursprung des Denkmals ist bisher verschwiegen worden. Es ist Teil unserer Vergangenheit und Geschichte, an die viele von uns schmerzhafte Erinnerungen haben- Wir möchten, dass die geschichtliche Entwicklung um den Bau des Löwendenkmals wahrheitsgetreu und unverfälscht auf einer Tafel dargestellt wird, verbunden mit dem Aufruf nach Wachsamkeit, damit Gewaltherrschaft, Rassismus, Antisemitismus, Faschismus und Krieg nie wieder von deutschem Boden ausgehen!“

Der von den Linken angeregten neuen Informationstafel am Löwen-Denkmal widersprach gestern kein einziges Ausschussmitglied. Allerdings meinte Beatrice Schlieper von den Grünen, für sei die Tafel lediglich so etwas wie ein Pflaster auf einer Wunde.  Dabei dürfe es die Politik nicht bewenden lassen, sondern müsse sich mit dem zur Restaurierung anstehenden Denkmal intensiver befassen. „Ein guter Ansatz“, so Volker Leitzbach (SPD). Philipp Wallutat (FDP) sah für das Denkmal noch eine Chance; es sei zwar „für die Nazi-Diktatur errichtet“ worden, inzwischen aber sei der Löwe auf dem Sockel für Remscheid und seine Bürgerschaft so etwas wie eine Identifikationsfigur geworden. Stadtdirektor Sven Wiertz griff das auf und verwies auf eine Stellungnahme des Deutschen Städtetag („Hinweise zum Umgang mit baulichen Zeugnissen der NS-Zeit“) und auf das heutige Verständnis von Staat, Gesellschaft und Menschenrechten. Das spräche dafür, am Sockel des Denkmals auf wichtige Artikel des Grundgesetzes zu verweisen.

Eine Anregung für den neunköpfigen Arbeitskreis, der in der gestrigen Sitzung spontan gebildet wurde. Mit dabei auch Ausschussvorsitzende Karl Heinz Humpert (CDU). Warum der Nazi-Ursprung des Löwen-Denkmals erst jetzt erstmals intensiver in der Öffentlichkeit diskutiert werde, beantwortete er so: „Die Stimmung im Land hat sich verändert. Wir sind sensibler geworden gegenüber rechten Parolen, und wir erkennen, dass es zwingend ist, mahnend an unsere Vergangenheit zu erinnern!“ Deshalb sei das Antrag der Linken „gut und vernünftig". Er werde dem Denkmal „als Produkt seiner Zeit – keine Schönheit“ gerecht.

Ob am steinernen Sockel künftig noch ein Basketballkorb geduldet bleiben wird, ist abzuwarten...

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Kommentare

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Chronist am :

Was unter Historikern nie strittig war: Mit dem Bergischen Löwen hat die Steinfigur auf dem Rathausplatz nichts gemein. Denn das Wappentier der Grafen von Berg hat zwei Schwänze. Entsprechende Abbildungen finden sich an mehreren historischen Fachwerkhäusern im Stadtgebiet, darunter über dem Eingang zu „Haus Cleff“ (1778) in Hasten.

Fritz Beinersdorf am :

Die Geschichte des Löwendenkmals beginnt nicht 1225, sondern am 1. Mai 1939. Der Anschluss Österreichs war am 12. März 1938 erfolgt. Am 1. Oktober 1938 erfolgte der Einmarsch in das Sudetenland und im März 1939 verleibten sich die Nazis unter Bruch des Münchner Abkommens die gesamte Tschechische Republik ein. Der Nazijubel war dementsprechend groß deshalb wurde am 1. Mai 1939 A. H., dem „Schöpfer des Großdeutschen Reiches“, dieses Löwendenkmal gewidmet. Als nach 12 Jahren am 8. Mai 1945 das 1000 jährige Reich endlich zerbrach, wurde die in Stein gehauene Widmung am Löwendenkmal entfernt. In den 1960er Jahren wurde unter dem Rathausplatz ein Bunker angelegt, den wir heute als Tiefgarage kennen. Beim Bau wurde befürchtet, dass das Denkmal seine Stabilität einbüßen würde und es abgerissen werde müsse. Das Denkmal blieb aber stabil. Am 19. Dezember 1966 wurde der Rathausplatz in Theodor-Heuss- Platz umbenannt. Bei dieser Gelegenheit erhielt das Denkmal die neue Inschrift: Bergischer Löwe Wappentier des Bergischen Landes seit 1225. Dies, obwohl eigentlich jedem der damals beteiligten bekannt war, dass der Bergische Löwe tänzelnd aufrecht steht, eine blaue Zunge eine blaue Krone und einen gespaltenen Schwanz hat, denn so ist er ja auch im Stadtwappen zu sehen. 21 Jahre nach dem Ende der Nazibarbarei waren die damaligen politisch Verantwortlichen scheinbar noch nicht in der Lage, sich mit der braunen Vergangenheit des Denkmals auseinanderzusetzen. Wie es vielen seinerzeit nicht angenehm war, an die Nazizeit erinnert zu werden. Just deshalb wurde die Geschichte geklittert, und aus dem Nazilöwen wurde in Stein gemeißelt kurzerhand der Bergische Löwe.

Chronist am :

Auf Beschluss des Rates der Stadt wurde am 9. Dezember 1966 in den Sockel des Denkmals „Bergischer Löwe" eine Urkunde eingemauert. Sie hat folgenden Wortlaut: „Veranlaßt durch die Unterkellerung des Rathausplatzes im Anschluß an die Ausschachtungsarbeiten zum Neubau der Stadtsparkasse hatte der Rat der Stadt in seiner Sitzung am 27. April 1964 über das Schicksal des Denkmals des Bergischen Löwen auf dem Rathausplatz zu entscheiden. Der Rat faßte den Beschluß, den Bergischen Löwen in seiner Eigenschaft als Wappentier der ehemaligen Landesherren von Berg (seit dem Jahre 1225) und als heute noch allgemein bekanntes Sinnbild des Bergischen Landes — überliefert im Remscheider Stadtwappen und in den Wappen zahlreicher anderer bergischer Städte — an Ort und Stelle zu erhalten. Auf diese geschichtliche Bedeutung des Denkmals soll nach einem weiteren Beschluß sowohl in einer Urkunde als auch in einer Inschrift am Sockel des Bergischen Löwen hingewiesen werden. Nachdem die Bauarbeiten vollendet sind und das Denkmal des Derwischen Löwen unversehrt geblieben ist, wird diese Urkunde am heutigen Tage in den Sockel des Denkmals eingelassen. Der Urkunde sind zwei Bildbände beigefügt. Sie zeigen die furchtbare Zerstörung Remscheids während des Zweiten Weitkrieges (1939—1945). Sie geben aber auch Zeugnis von der von einem unerschütterlichen Aufbauwillen getragenen Entwicklung unserer Stadt seit den Tagen des Krieges“. Schon interessant: Kein Wort in dem Dokumentr zur Nazizeit!

Heinz Wäscher am :

Das muss irgendeine alte Tradition sein, hierzulande nicht an ehemalige Unrechtsregime erinnern zu wollen. Übernächsten Samstag ist ja der 30. Jahrestag eines geschichtlich nicht ganz unbedeutenden Ereignisses für dieses Land - mal schauen, wie daran erinnert wird.

Beatrice Schlieper am :

Hallo, lieber Chronist, wenn ich mich nicht irre, ist das Wappen über einem der Eingänge von Haus Cleff den Niederlanden zuzuordnen, während der Türklopfer den Kopf des Bergischen Löwens darstellen soll.

Johann Max Franzen am :

Ich werde mit Hilfe meiner Freundin am 9. November gegen 17 Uhr vor den ehem. jüdischen Geschäften in der Alleestraße und in der Alten Bismarckstraße die "Stolpersteine" putzen und weiße Rosen niederlegen.

Peter Maar am :

Es gibt Mitbürgerinnen und Mitbürger, denen es am Liebsten wäre, wenn das im Jahre 1939 "dem Schöpfer des Großdeutschen Reiches" gewidmete Löwendenkmal vor dem Remscheider Rathaus aus dem Stadtbild verschwinden würde. Es ist naheliegend, dass diese Bürger auch nicht bereit sein dürften, sich indirekt über ihre Steuerzahlungen an der Finanzierung der mit aktuell 90.000 Euro veranschlagten Sanierungskosten zu beteiligen. Andererseits gibt es aber auch Bürgerinnen und Bürger, die das Löwenstandbild erhalten wollen, weil es, unabhängig von seiner Nazivergangenheit, zu Remscheid gehöre. Zur Lösung dieser gegensätzlichen Positionen gibt es einen naheliegenden Ausweg: Diejenigen, die den Löwen weiterhin auf dem Theodor-Heuss-Platz erhalten möchten, organisieren eine Spendensammlung zur Sanierung des steinerenen Raubtieres. Dabei haben es ihnen die Lüttringhauser Bürgerinnen und Bürger vorgemacht: Zur Restaurierung bzw. Sanierung des "Kriegerdenkmals" an der ev. Kirche Lüttringhausen, des Ehrenmals auf dem Lüttringhauser Friedhof und des Adolf-Clarenbach-Denkmals wurden auf Initiative des Heimatbundes Lüttringhausen insgesamt fast 100.000 Euro an Geld- und Sachspenden gesammelt. Was von den nur 17.000 Einwohnern Lüttringhausens möglich gemacht werden konnte, müsste doch von den 70.000 Bürgerinnen und Bürgern in "Alt"-Remscheid spielend nachgemacht werden können.

Michael Mahlke am :

Die Löwengeschichte ist für mich ein besonderes Kapitel, das zeigt, wie wenig historisches Bewußtsein handelnde Politiker haben und was erst alles passieren muß, bevor etwas passiert. Zunächst einmal ist es gut, wenn eine Tafel kommt. Das ist in den Niederlanden selbstverständlich, wie die liberation route Europe zeigt, die sogar von der EU gefördert wurde. Aber eines kann ich mir nicht verkneifen, nämlich auf die Ignoranz der Stadtspitze hinzuweisen vor und nach der Löwenparade. In dem von mir herausgegebenen Buch "Remscheid in der Zeit des Nationalsozialismus" aus dem rga Verlag hat Herr Kalhöfer ein Kapitel über NS--Architektur in Remscheid geschrieben. Dort ist der Löwe und die gesamte Geschichte genauestens dargestellt. Und niemand aus dem Stadtrat hat es gewußt? Das kann ja nicht sein, weil es vor der Löwenparade hier und bei mir und bei anderen publiziert wurde. Es ist also schon mehr als 20 Jahre bekannt und publiziert und ignoriert worden. Daher kann man den Ansatz einer aufklärenden Inschrift nur begrüßen und ich finde den einstimmigen Beschluss des Kulturausschusses ausgesprochen gut.

Eija Tirkkonen am :

Peter Maar hat, Recht, wenn er die Sanierung des Löwendenkmals auf dem Rathausplatz aus Spendengeldern fordert. Ist es nicht untragbar, dass auch jüdische Mitbürger durch Steuergelder ein Nazidenkmal mitsanieren sollen? Dass solche Gedanken nicht einmal im Ansatz weder im Rat noch in der Verwaltung gemacht wurden, zeigt doch von unerhöhter Ignoranz und Unwillen mit der Thematik überhaupt zu beschäftigen.

Bernd Burchardt am :

Bekommen wir es jetzt mit einer eher spannenden oder schwachsinnigen Diskussion zu tun? Jeder zahlt nur für die Dinge, die er unterstützt? Also beim DOC-Bau, bei einer autogerechten und fahrradgerechten Infrastruktur kann man auf mich zählen. Beim Stadtparkteich, den ich persönlich genauso wenig brauche, wie das Freibad, lasse ich andere Spenden! Ich hoffe nicht, dass dies das Gesellschaftsbild ist, das wir künftig in Remscheid praktizieren wollen.

Eija Tirkkonen am :

Mit Verlaub; das ist nicht vergleichbar.

Eija Tirkkonen am :

15 bis 20 Prozent der Bevölkerung hegen antisemitsches Gedankengut. Antisemitsche Straftatdelikte stiegen allein letztes Jahr um 19%. Vor diesem Hintergrund ist die Signalwirkung des Sanierungsvorhabens nicht nur historisch gesehen anstößig, sondern in der politischen Klima unserer Zeit beschämend. Wie sehr wir an dem Löwen gewöhnt sind, ohne dessen Vorgeschichte gewusst zu haben, jetzt wissen wir es.

Heinz Wäscher am :

Die erwähnten 15 bis 20 Prozent kann ich in dieser Beantwortung der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Partei „DIE LINKE” zu diesem Thema irgendwie nicht finden (PDF): http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/124/1912497.pdf

Gerd Rothbrust am :

Hallo Bernd, es ist eine höchst überflüssige Diskussion – als ob wir nicht genug dringendere Probleme hätten!

Eija Tirkkonen am :

Die Zahlen stammen von Prof. Samuel Salzborn, Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin, veröffentlicht in Fakt / MDR anlässlich des Anschlags in Halle: "Wir haben im Bezug auf Antisemitismus seit gut 20 Jahren ein relativ stabiles Bild. Wir haben etwa 15-20 Prozent Antisemiten und Antisemitinnen in der deutschen Gesellschaft, das ist hoch." Die Zahl betreffend der Zunahme von antisemitischen Straftatdelikte stammt von dem BKA Bericht (2018). Ist nicht zu befürchten, dass die Gedenktafel an dem Löwendenkmal, die den Bezug auf das Nationalsozialismus zu Ehren Adolf Hitlers stellt, eine umgekehrte Wirkung hätte und der Rathausplatz eine Pilgerstätte für Neonazis würde?

Heinz Wäscher am :

Jetzt hat es der Löwe sogar in die überregionale Berichterstattung einer Tageszeitung aus dem Springer Konzern („DIE WeLT”) geschafft: https://t1p.de/remscheid

Eija Tirkkonen am :

In der Zeit der Digitalisierung erreicht man viel mehr Bürger durch Internet als durch Gedenktafeln. Es wäre doch eine Überlegung wert, auf der offiziellen Seite Remscheids auf die braune Vergangenheit hinzuweisen: Alle einzelnen Stolpersteine aufzulisten etc. Dazu das Wahrzeichen der Stadt, die Löwnstatue, die vielleicht künstlerisch immer wieder neu aufgearbeitet wird, um die braune Gefahr lebendig zu halten. In Friedrichroda hat man ein Kriegsmahnmal mit Brettern zugenagelt, weil es zum Ehrenmal der Neonazis wurde. Derjenige, der meinte, dass das Thema überflüssig sei, lese ab und zu die Kommentarspalten im mdr: https://www.mdr.de/nachrichten/wirtschaft/inland/bald-jeder-dritte-zuwanderer-arbeitsmigration-prognose-100.html. Nach vierzig Jahren in der BRD ist mir eine Eigenschaft aufgefallen, die ich auf die Zeit des Nationalsozialismus zurückführe: Fehlende Zivilcourage.

Michael Mahlke am :

In den Kommentaren wird ja öfter erwähnt, bis jetzt hätte man es ja nicht gewußt, dass der Löwe ... Das kann ja nur bei denen der Fall sein, die bewußt nichts wissen wollten. Noch einmal, hier im Waterbölles, in dem von mir herausgegebenen Buch und an vielen anderen Stellen war es schon seit mehr als 20 Jahren für jeden !!! erfahrbar. Jetzt möchte ich noch auf das Argument eingehen, dass der Löwe zum Aufmarschplatz für Neonazis werden könnte. Kopien von dem Löwen stehen in Elberfeld direkt vor dem alten Bahnhofsgebäude und überall in Remscheid rum. Da müßten ja dann auch schon Aufmärsche stattfinden ... Das ist doch eine völlig absurde Argumentation. Wir leben doch noch im Zeitalter der Aufklärung. Da ist das Mindeste, daß auf geschichtliche Zusammenhänge hingewiesen wird mit Tafeln und mehr. Zusätzlich kann auch noch im Internet darüber geschrieben werden Das finde ich dann gut. Genau dies zeichnet eine Demokratie und zudem auch noch eine wehrhafte Demokratie aus. Wenn wir die historische Wahrheit öffentlich vermeiden und nicht mehr zeigen, dann wird es politisch still und gefährlich.

Horst Klaeuser am :

Ich kann vielen Argumenten (pro Löwe, contra Löwe) viel abgewinnen. Sie geben die Einstellung und die Nachdenklichkeit der Menschen wieder, die nicht blind durch unsere Stadt laufen. Doch sollte man mE den Löwen im Dorf lassen. Er ist kein Nazisymbol per se, das wäre der Adler oder ein Hakenkreuz. Er mag auch nicht der Original-Bergische Löwe sein, aber über Jahrzehnte haben ihn die weitaus meisten als solchen adoptiert und akzeptiert, s. auch Löwenparade. Dadurch wird weder nazistischtes Gedankengut verbreitet, noch die SA verherrlicht. Die Menschen, die 1939 jubelnd (und bewusst) die Einweihung verfolgten, dürften auch an einer Hand abzuzählen sein und sich heute mutmaßlich dafür schämen. Nehmen wir den Löwen doch als Mahnung, versehen mit einer sorgfältig getexteten Tafel, evtl. zusätzlich versehen mit einem QR-Code, der beim Ablichten noch auf eine ausführliche Web-Seite führt mit mehr Historie, Bildern und einer Einordnung. Das wäre zeitgemäß. Denken wir an andere Gebäude: auch unter der Müngstener Brücke dürften Nazis demonstriert haben, besucht wurde sie von Wilhelm Zwo, dem Kaiser, der millionenfaches Blut an seinen Händen hat - eine Tafel erinnert heute noch an den Mann, der WK I verantwortlich auslöste. Der Minister des Auswärtigen hat seinen Sitz im 1939 errichteten Sitz der Nazi-Reichsbank, die später dem ZK der SED diente. Abreißen? Nein - vielmehr einordnen, beschreiben, sichtbar machen. Nicht verehren (die Gefahr von Neonazi-Aufmärschen erkenne ich nicht) und ggf. auch in seiner Wuchtigkeit lächerlich machen. Man schaue sich heutige repräsentative Bauten an: die luftige Kuppel über dem Reichstag, das Kanzleramt, moderne Museen.

Eija Tirkkonen am :

Sehr geehrter Herr Mahlke, mir war Ihr Buch nicht bekannt. Durch die öffentlichen bekannten Medien ist mir auch nicht die braune Vergangenheit der Löwenstatue auf dem Rathausplatz vor Augen geführt worden. Allerdings bin ich sicherlich auch kein Maßstab. Es geht also ausschließlich in der Dskussion um diese Statue und nicht irgendwelche Kopien anderswo. Warum muss diese Statue noch mit 90.000€ saniert werden? Das habe ich nicht verstanden. Da ich davon ausgehe, dass eine Sanierung nicht in Frage käme, wenn auf dem Podest eine Statue von Adolf Hitler stehen würde, bleibt die Begründung für die Sanierung des braunen Denkmals im Dunkeln.

Andreas Körber am :

Wie mir scheint, hat das Schicksal des "armen" Remscheider Wappentiers auf dem Rathausplatz eine hoch emotionale Diskussion entfacht. Ich finde die Idee der Anbringung einer Texttafel am Objekt der veröffentlichten Empörung ganz OK. Falls das aber nicht alle Empörten zufrieden stellen sollte, hier mein Vorschlag. Statt den Löwen zu sanieren, reissen wir ihn einfach ab. Wir zerkleinern das Denkmal des Faschismus und totalitären Ungeists, so daß er zumindest noch als Füllmaterial für eine Baugrube Verwendung finden kann. Im Anschluß daran bauen wir ihn originalgetreu wieder auf und lassen ihn vom Bundespräsidenten und/oder Ministerpäsidenten und/oder Oberbürgermeister usw. usw. und mindesten 27.001 lupenreinen Demokraten unseres Landes/Stadt als Symbol einer geläuterten pluralistischen Stadt Remscheid einweihen. Dieses Vorgehen brächte uns vielfachen Nutzen. Wir sparen uns die Sanierungskosten. Ferner die Kosten für eine künstlerische Neugestaltung. Der neue/alte Löwe könnt seinen Platz nunmehr wieder in der Mitte des Theodor-Heuss-Platzes einnehmen. Und Last but not least, diese Diskussion wäre beendet.

Horst Klaeuser am :

Liebe Frau Tirkkonen, natürlich würde eine Hitler-Statue abgerissen. Auf der alten Sparkasse, die dort stand, wo heute das Alleecenter zu Hause ist, musste man über den Portalen Hakenkreuze entfernen. Wir sprechen über einen Löwen! Hätte man nach 1945 alle Schäferhunde einschläfern sollen, weil Hitler "Blondi" streichelte? Sie werden lange suchen müssen, um jemanden zu finden, der sich in Remscheid stärker gegen den braunen Sumpf einsetzt als ich. Aber an der richtigen Stelle: nicht alte Steine sind unser Gegner, sondern Menschen, die Ausländer hassen, die menschenverachtend gegen Farbige hetzen, Antisemiten und Islamophobe, jene, die heute ein anderes Land wollen und und unsere Geschichte umschreiben wollen. Diese Scheindiskussion um einen harmlosen Stein-Löwen verbraucht die Energie, die wir brauchen, um gegen die realen Nazis und Faschisten des Jahres 2019 vorzugehen. Tafel dran und gut ist.

Eija Tirkkonen am :

Lieber Herr Körber, Ihr kompletter Leserbrief und lieber Herr Kläuser besonders die Stelle mit den Schäferhunden gehören unbedingt als Antwort auf den betreffenden Artikel in "Welt", meinen Sie nicht? Ich verstehe ja, dass das Thema nicht recht mit der "Stolz-auf-Remscheid-Blase" zusammenpasst. Wenn es nun einfach um einen steinerner Löwen handeln würde, könnte man ja neben der Mahntafel zur Erinnerung des nationalsozialistischen Ursprungs der Statue eine zweite Tafel aufbringen mit dem Namen des OBs, der die Sanierung im Jahr 2019 für die nächsten 100 Jahre ermöglichte. Ist doch dann nur eine Ehre. Für mich ist die Sanierung eine klassiche Fehlentscheidung. Ich würde gerne offiziell anregen, für die 90.000 € lieber 35.000 Frühstücke für Kita- und Schulkinder bereitzustellen, damit alle satt den Tag anfangen können.

Jürgen Koball am :

Tja, schwierig. Was wissen wir: Wir haben es mit einem, "harmlosen" Löwen aus Stein zu tun. Geschenkt von den Nazis. Ein Phantasie Löwe, der mit dem Bergischen Löwen nicht das Geringste zu tun hat. Diese Kreatur wurde bei der Löwen-Parade durch unsere Stadt gezottelt und befindet sich vor einer Vielzahl von Firmen. Da liegt die Vermutung nahe, dass wir diese Kreatur adoptiert und akzeptiert haben.

Philipp Wallutat am :

Damit kein Missverständnis entsteht: Die Standorte der Stolpersteine sind bereits über die Homepage der Stadt Remscheid abrufbar (https://geoportal.remscheid.de/stolpersteine/). Dass dies selbst bei interessierten Bürgern nicht bekannt ist, mag Ansporn für die Stadt sein, den Internetauftritt zu verbessern.

Andreas Körber am :

Manchmal, verehrter Herr Kaiser, überkommt mich der Verdacht, das das Internet und alle seine möglichen Formen der Kommunikation, leider auch dieses Forum, von einigen Zeitgenossen auf fragwürdige Weise genutzt werden, indem sie Probleme erschaffen, wo keine sind oder aus Mücken, wenn schon nicht Elefanten, so doch Löwen machen. Sie absorbieren damit die Aufmerksamkeit, die Energie und die Bereitschaft der Öffentlichkeit, sich für kommunale Anliegen zu interessieren, die dann auf anderen Gebieten, wo sie dringend erforderlich wäre, fehlt. Das spricht nicht gegen das Internet im Allgemeinen und schon gar nicht gegen den "Waterbölles" im Besonderen. Man muß es wohl schulterzuckend hinnehmen. Dennoch, wenn ein auswärtiger Besucher über den Theodor-Heuss-Platz schlendert, wird er den Löwen sicherlich nicht als Relikt des "tausendjährigen Reiches" wahrnehmen. Er könnte genauso gut aus dem Kaiserreich stammen, oder von Kanzler Adenauer eingeweiht worden sein. Der zeitliche Bezug seiner Entstehung ist, außer vielleicht für Kunsthistoriker, nicht offensichtlich. Ob man diese Skulptur für künstlerisch wertvoll erachten muß, ist sicherlich fraglich, spricht aber auch nicht per se gegen seine Existenz. Es geht dabei meiner Meinung nach auch nicht um Stolz auf eine, wie auch immer geartete, "Remscheid-Blase". Seit den Verbrechen der NS-Zeit ist uns Deutschen der Stolz und damit einhergehend ein beträchtlicher Teil unserer Identität auf unser Land/Stadt zu Recht abhanden gekommen. Wir haben versucht, das durch eine europäische Perspektive zu ersetzen. Sich an Europa erwärmen zu müssen, ist im Moment allerdings auch nicht die reine Freude. Vielleicht wirkt deshalb der Fremde, Ausländer, Flüchtling, Muslim, umso bedrohlicher, aber das ist ein anderes Thema. Die Vorstellung, man sollte sich erst dann der Sanierung von Denkmälern, auch wenn sie dem einen oder anderen als zweifelhaft erscheinen mögen, widmen, wenn alle Kita- und Schulkinder ein Frühstück haben, ist ein Totschlagsargument. Wie könnte die öffentliche Hand noch Geld in Infrastrukturprojekte investieren, solange Kinder nichts zu essen haben?! Beides ist nötig und dringen geboten und darf einander nicht auschließen.

Horst Klaeuser am :

Vermutlich ist alles Wesentliche zum Löwen gesagt. Daher rege ich an, über ein viel wichtigeres Thema in diesem Zusammenhang zu sprechen. Wäre es nicht an der Zeit, endlich die Hindenburgstraße umzubenennen, um den "Hitler-Ermöglicher" zu ent-ehren?

Eija Tirkkonen am :

Weil ein Teil des Wahlvolkes die braune Geschichte an den Löwen hat abperlen lassen und weil die Blaupausen nun mal für Werbezwecke in dem Stadtgebiet herumstehen, ist eine Fortschreibung des Fehlers für 90.000€ Steuergelder gerechtfertigt? Was nützt eine Sensibilisierung zu dem Thema, wenn es nur eine Mahntafel fruchtet? Ein für die Ehrung Hitlers erstellter Löwe, den die Stadt unter Denkmalschutz gestellt hat und für dessen Sanierung ohne Diskussion 90.000€ bereit gestellt wurde. Auf der anderen Seite die Gedenkstätte Pferdestall, die allein auf Engagement der Schüler und Schulleiter der EMA mit Spendengeldern starten konnte. Gedankenlos muss jemand sein, der das versteht.

Johann Max Franzen am :

Sehr geehrter Herr Klaeuser, nicht nur das ich in meinem am 18.10.2019 in RGA erschienen Leserbrief den so genannten Bergischen Löwen zum "Abriss freigegeben" habe, habe ich auch erwähnt, dass man die Hindenburgstraße ihren alten Namen wiedergeben sollte. Es war mal die Neuscheider Straße. Viele Städte wie z.B. Hamburg, Kiel und Schleswig haben ihre Straßen ihren alten Namen wiedergeben. Auch habe ich in einer öffentlichen Aktion am 9.4.2015 in der Hindenburgstraße hingewiesen, dass wir den "Steigbügelhalter vom Adolf Hitler" nicht mehr brauchen. Leider wollten die Anwohner mit der Zustimmung von Herrn Mähler ihren Hindenburg behalten, da sie ja einer der schönsten Straßen Remscheids wäre. (Siehe auch Bericht im RGA vom 10.4.2015 mit der Überschrift "Anwohner wollen Straßennamen behalten").

Wolfgang Rau am :

Bei Straßennamen fällt mir noch die Kaiser-Wilhelm-Str. in Hasten ein. In diesem Jahr sind es einhundert Jahre seit der Verabschiedung der ersten demokratische Verfassung Deutschlands. Da wirkt "Kaiser Wilhelm" - auch in seiner historischen Rolle - als Namenspatron einer Straße nicht mehr zeitgemäß. Sinnvoller scheint mir da, das Ensemble von Haus Cleff (hat schon sein Straßenstück) und dem Werkzeugmuseum in seiner Bedeutung auch im Rahmen des Stadtplans mit einer eigenen Straße zu würdigen. Da böte es sich an, die Kaiser-Wilhelm-Str. etwa in "Am Werkzeugmuseum" umzubenennen. Die Zahl der betroffenen Anlieger hält sich in diesem Fall auch in Grenzen.

Horst Klaeuser am :

Man kann sich festbeißen, nicht wahr? Nur schwarz-weiß möglich? Ich glaube nicht. Dass der Löwe historisch eingeordnet werden muss, bedeutet nicht zeitgleich Abriss. Die Tafel allein könnte auch noch ergänzt werden. Hier kommt ein, gewiss nicht der einzig mögliche, Vorschlag: ich plädiere (neben der Tafel) für eine Ironisierung des Löwen. Nach baulicher Ertüchtigung, ja, sanieren(!), wird er zu einem entfremdeten Kunstwerk. Es gibt viele kreative Köpfe in unserer Stadt, Künstler, Poeten. Das kann mit Licht (Laser & Projektionen) und Farben geschehen, ungewöhnlichen Materialien (Stahl, Kupfer passt ins Bergische) und damit zu einem Mahnmal gegen jede Art von altem und neuem Faschismus - darauf könnte Remscheid wirklich stolz sein! Und warum ich ihn nicht schlicht abreißen möchte? Weil wir uns unserer Geschichte zu stellen haben. Nur in der kritischen, auch künstlerischen Auseinandersetzung nehmen wir wahr, was war. Niemand käme auf die Idee Ausschwitz zu planieren, sondern wir gehen dorthin, lernen aus der Katastrophe. Im Vergleich dazu ist der Löwe (von dem ich nicht einmal weiß, ob Hitler in je wahrgenommen und als Feier seiner Person ansah) ein harmloses Geschöpf irregeleiteter Kunst. Darin steckt die Chance Gewesenes sichtbar zu machen, um heutige Generationen zu warnen.

Eija Tirkkonen am :

Danke, Herr Wallutat. Info über Stolpersteine habe ich gefunden. Das war aber auch alles zum Thema nationalsozialistische Stadtgeschichte. Auf eine Gedenkfeier mit Führung am 15.Nov. wird hingewiesen. Ist das gültig? Die Seite trägt das Datum 2014. Dann versuchte ich eine Beschwerde bei der Stadt digital einzureichen, aber den Erfassungsbogen kann man nicht aktivieren.

Eija Tirkkonen am :

Der Löwe wurde ja Stadtzeichen ohne jeden Bezug auf die nationalsozialistische Vergangenheit. Für mich wäre in dieser Situation eindeutiger der Abriss, weil die Willigung von 90.000 Euro für die Sanierung falsch verstanden wird; siehe den Artikel in der „Welt“. Herrscht nicht in Wirklichkeit Konsens darin, allen Recht machen zu wollen: Die meisten Bürger kümmern sich nicht um die braune Vergangenheit, sondern haben sich einfach an diesen Koloss gewöhnt. Bis die Linke die Tafel vorschlug, war die einzige Wortmeldung von Herrn Mähler, der Sorgen für den Verbleib des Basketballkorbs machte. Die Sprachlosigkeit um das wichtige Thema ist erschütternd. Das Mindeste ist nicht, die Tafel anzubringen, sondern das Mindeste wäre dem Verein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall auch 90.000 Euro zukommen zu lassen, um tatsächlich aktive wertvolle Arbeit sicherzustellen. Auf diese Idee kommt die Stadt nicht. Sie fördert den Pferdestall mit 0 Cent. Diese willkürliche Handhabe von Steuergeldern hinterlässt Zweifel an verantwortungsvoller politischer Führung.

Heinz Wäscher am :

Was war eigentlich noch vor fünf Jahren anders? Zum 85. Stadtjubiläum sind schließlich noch jede Menge „verzierte” Löwen stolz unterhalb des Originals präsentiert worden: https://youtu.be/LeezcNijcTQ?t=376

Gerda Spaan am :

Bin ich immer noch dafür - wie schon anläßlich der Diskussion zur sogenannten Löwenparade, den Löwen ins Hier und Jetzt "herunter zu holen. Herr Klaeser hat hierzu, finde ich, interessante Vorschläge gemacht. Ich fände es ganz gut, ihn tatsächlich von diesem enormen Sockel herunterzuholen, daneben aufzustellen - zur Gaudi der Kinder - ein neues Kletterspielzeug oder auch Reittier. Der Sockel könnte saniert werden und um ihn herum mit eingelassenen Tafeln seine Historie dargestellt werden. So hätten wir Remscheider uns auch das Original "angeeignet" und nutzbar gemacht. Wie wäre das?

Eija Tirkkonen am :

Wir haben einen Vierstockwerke hohen Sockel, worauf eine Löwenstatue steht. Die Sanierung von 90.000€ umfasst hauptächlich die Sanierung des überdimiensionierten Sockels. Verstehe ich es richtig, dass man die Löwenstatue vom Sockel reißen möchte, aber trotzdem den Sockel sanieren will, um rineGedenktafel anzubringen, die man höchstens bis 3 m Höhe lesen könnte? Allmählich neige ich zu der Überzeugung, dass diese Löwenstatue genau richtig auf diesem Rathausplatz steht.

Horst Klaeuser am :

Die Argumente wiederholen sich, die "Fronten" (sorry, der Ausdruck ist mir eigentlich viel zu militaristisch) sind klar: falsche Erinnerung, sagen die einen, zu hohe Kosten für Renovierung andere, Sinnbild für Remscheid unabhängig von der Nazizeit, sehen wieder andere. Einem können wir Remscheider, die wir ja auch Deutsche sind, nicht entfliehen: unserer Geschichte. Und damit auch nicht unserer Verantwortung dafür, dass sich das Grauen, das von 1933 bis 1945 herrschte, nie wiederholt. Natürlich gibt es viele Dinge, die geblieben sind: Teile des Bürgerlichen Gesetzbuchs, die Nationalhymne (auch wenn nur die 3. Strophe gesungen wird), Filme der Nazizeit (Rühmann anybody?), Autobahnen ("war ja nicht alles schlecht, beim Adolf" höre ich die Ewiggestrigen rufen) und eben Bauten. Der Löwe wirkt da nur wie ein "Vogelschiss" (pun intended). Was soll man mit dem heutigen Bundesfinanzministerium in Berlin machen (einst Görings Reichsluftwaffenministerium), was mit dem Olympiastadion daselbst, mit dem Leni Riefenstahl AH ein Denkmal setzte und wo heute die Hertha munter kickt? Sollte man das "Haus der Kunst" in München abreißen, die Musikhochschule, wo Hitler sein Arbeitszimmer hatte oder auch das Staatstheater in Saarbrücken, ein klassischer Nazi-Bau? Nein, zur Auseinandersetzung mit der Geschichte gehört auch die bewusste, kritische und offene Auseinandersetzung - eben keine 180°-Wende in der Geschichtspolitik, wie ein merkwürdiger AfD-Politiker in Thüringen fordert. Gerade in dem wir uns der Geschichte stellen, die fehlgeleitenden Wurzel freilegen, aber nicht negieren, nicht verstecken (= abreißen) zwingen wir uns, unsere Geschichte wieder und wieder anzunehmen. Niemand hat vor, den Löwen als Nazi-Symbol zu verherrlichen, ich wüsste auch nicht, dass dies in den letzten 74 Jahren passiert wäre. Her mit der Tafel, her mit frechen Ideen, die die Symbolik, aber nicht den Löwen vom Sockel holen.

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