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Schulkonferenz der EMA wünscht sich „Emma Herwegh“

Von Rainer Schulz, Leiter des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums, erfuhr Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz gestern, welchen neuen Namen sich die Schulkonferenz vom Rat der Stadt wünscht, der darüber nach Vorberatung im Schul- und im Hauptausschuss zu entscheiden hat: „Emma Herwegh“ (1817-1904). Aus 29 „begründeten, seriösen Vorschlägen“, so Schulz später in einer Pressekonferenz, hatte eine Kommission in den vergangenen Wochen fünf in die engere Wahl gezogen. In einem Ausschlussverfahren, das am Montagabend rund zwei Stunden beanspruchte – wobei er „die freie, offene und teilweise kontroverse Diskussion“ der jeweils sechs Vertreter:innen der Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft als „ein echtes Highlight empfunden“ habe, weil sie „sehr konstruktiv“ gewesen sei, so Schulz. Eine Gegenstimme habe es übrigens nicht gegeben.

Mit Emma Herwegh hat sich die Schulkonferenz für eine Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts entschieden, die „eine für die damalige Zeit sehr moderne Frau“ war, heißt es in der Begründung für den Namensvorschlag, die nach dem OB in Kürze auch die Fraktionen und Gruppen im Rat der Stadt erhalten werden. Darin heißt es weiter: „Aufgrund ihrer großbürgerlichen Herkunft genoss sie eine erstklassige Ausbildung. Sie sprach mehrere Sprachen und war auch in vielfacher Hinsicht künstlerisch begabt; war als Schriftstellerin und Übersetzerin tätig, zeichnete, komponierte und spielte Theater. Trotz oder gerade wegen des wohlhabenden, offenen, liberalen Umfeldes in ihrem Elternhaus war sie an den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen nicht nur interessiert, sondern auch aktiv beteiligt. Sie unterstützte die Freiheitskämpfer in Polen, Baden und Italien. Als neue Namensgeberin unseres städtischen Gymnasiums kann die historische Person Emma Herwegh in vielfacher Weise der Schulgemeinde, insbesondere den Schülerinnen und Schülern als auch den Lehrkräften als Vorbild dienen.

Schon in frühen Jugendjahren zeigte  Emma Herwegh ein umfangreiches Interesse, sie war belesen, kreativ und eignete sich daher eine umfassende interdisziplinäre kulturelle Bildung an. Zudem war sie stets eine kritische Begleiterin von gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen und pflegte den Kontakt zu zahlreichen Geistesgrößen unterschiedlicher nationaler Herkunft. Sehr früh offenbarte sich ihr Mut, als überzeugte Demokratin gesellschaftliche Konventionen und politische Ordnungen zu hinterfragen und entschieden für ihre Grundsätze einzutreten. Als selbstbewusste Person, die sich aktiv für Frauen-, Menschen- und Freiheitsrechte einsetzte, nahm sie persönliche Risiken in Kauf.

Als überzeugte Europäerin stellt sie entgegen unseres aktuellen Namenspatrons das Verbindende und nicht das Trennende zwischen den Menschen – auch unterschiedlicher Nationen – voran. Und daher erscheint uns der Namenswechsel als Gymnasium mit Schülerinnen und Schülern vielfältiger kultureller und ethnischer Herkunft und im Angesicht des vor kurzem verliehen Titels 'Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage' als passender Ersatz und gewünschte Alternative.“

Als letztes Argument führt die Schulkonferenz das allgemein bekannte  Kürzel „EMA“ der Schule auf: „EM[M]A gilt in ganz Remscheid als ‚Marke‘ und ist seit vielen Generationen wie selbstverständlich mit unserem Gymnasium verbunden.“ Wobei in der Pressekonferenz die beiden Sprecher der Schülervertretung (SV, Gini Villeggiante und Oskar Seifert, betonten, nicht wegen des Vornamens, sondern in erster Linie wegen der Werte, die sie verkörperte, habe man sich für Emma Herwegh entschieden. „Da war der Vorname nur noch das Tüpfelchen auf dem i, das Pluszeichen vor der Eins!“, so Gini Villeggiante.

Mit dem gestrigen Beschluss der Schulkonferenz sei ein Prozess abgeschlossen, der schon vor Jahrzehnten angelaufen und zwischenzeitlich (2006) auch einmal unterbrochen wurde (als der Rat der Stadt eine Namensänderung ablehnte). Nunmehr spricht alles für ein klares, positives Votum der Politik. Und auch unter Schüler:innen, Eltern und Lehrer:innen sei das Ja zu einer Namensänderung nahezu einhellig, wie Rainer Schulz, der Geschichtslehrer Stefan Otto und der Vorstand der Schulpflegschaft, Norbert Springob und Melanie Möller, auf der Pressekonferenz unisono betonten.  Springob: „Bei allen Tagen der offenen Tür in der Schule habe ich nur Befürworter einer Namensänderung gehört!“ Irritiert zeigte er sich über anderslautende Äußerungen von Dr. Johannes Luckhaus, Vorsitzender des Vereins der Freunde und ehemaligen Schüler des Gymnasiums, in einem Interview des RGA am vergangenen Montag. Besonders geärgert habe er sich über dessen Behauptung, der Beschluss der Schulkonferenz sei im Vorfeld in den entsprechenden Pflegschaftssitzungen nie thematisiert worden: „Die Klassenpflegschaften wurden informiert; ihnen wurde der Vortrag eines Sachkundigen über Ernst Moritz Arndt angeboten, aber diese Notwendigkeit sah in 22 Rückmeldungen niemand! Ich habe nur positive E-Mails zu unserem Vorhaben bekommen!“ Der Förderverein der Schule habe sich bisher gegenüber ihm noch nicht schriftlich geäußert. „Auch mir gegenüber nicht!“, ergänzte Rainer Schulz.

Die 29 Namensvorschläge gingen in vier verschiedenen Gruppen ein:

  • Abstrakte Begriffe (wie z.B. Gerechtigkeit)
  • Regionale Bezüge
  • Persönlichkeiten und
  • EMA-Kürzel (z.B. „Erfolgreich Miteinander Arbeiten“)

Da übte schließlich „Emma Herwegh“ offenbar einen besonderen Reiz auf die Schulkonferenz aus, zumal sie bei Internetrecherchen in Deutschland auf keine andere Schule mit diesem Namen gestoßen war. Eine weitere Recherche soll nun ergeben, ob noch direkte Nachfahren von Emma Herwegh existieren. Denn diese(n) könne man doch zu dem „symbolischen Akt“ einladen, mit dem die Schule die Namensänderung feiern möchte. Immer vorausgesetzt natürlich, der Rat der Stadt beschließt sie. Rainer Schulz: „Für diese Abstimmung im Rat bin ich sehr zuversichtlich!“

In der Biografie von Emma Herwegh im Internet-Lexikon Wikipedia heißt es einleitend: „„Emma Charlotte Herwegh, geborene Emma Siegmund (* 10. Mai 1817 in Magdeburg, nach anderen Quellen in Berlin; † 24. März 1904 in Paris), war eine deutsche Revolutionärin während der Erhebungen von 1848/49 in Frankreich und dem deutschsprachigen Raum und eine frühe Vorkämpferin der Frauenrechtsbewegung. Bekannt wurde sie durch ihre Ehe mit dem Dichter Georg Herwegh.“

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Kommentare

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Jürgen Koball am :

Guter Kompromiss, dennoch würde ich Emma Peel vorschlagen. Fand ich als Jugendlicher immer ganz toll.

Norbert Springob am :

"22 Rückmeldungen von Klassenpflegschaften, hinter denen ein Meinungsbild einer ganzen Elternschaft der einzelnen Schulklasse stand"; ansonsten: Danke für die gewohnt schnelle & gute Information.

Norbert Landen am :

Man kann nur hoffen, dass die Politik dem Ansinnen, den Schulnamen zu ändern, nicht nachkommt.

Brigitte Neff-Wetzel, Fraktionsvorsitzende der Linken am :

Wir freuen uns darüber, dass die Schulgemeinde des EMA–Gymnasiums einen neuen Namen gefunden hat. Wir begrüßen ausdrücklich den Prozess der Namensfindung, der alle am Schulleben Beteiligten mit eingeschlossen hat. Hoffentlich ist nun die Jahrzehnte dauernde Diskussion um einen würdigeren Namen des Gymnasiums endlich beendet. „Emma Herwegh“ passt als Namensgeberin nach unserer Vorstellung eindeutig besser zu einer Schule, die sich vorbildhaft gegen Faschismus und Rassismus positioniert. „ Dass hier eine mutige und starke Frau gewürdigt wird, empfinde ich zudem als besonders positiv.

Lothar Kaiser am :

Man kann nur hoffen, dass der Rat der Stadt dem Wunsch der Schulkonferenz, den Schulnamen zu ändern, nachkommt.

Frank Ulatowski am :

Sehr geehrter Herr Springob, ich bin irritiert, dass hinter der Entscheidung für Emma Herwegh das Meinungsbild der ganzen Elternschaft stehen soll. Wann genau wurden wir Eltern denn dazu befragt?

Hans Peter Meinecke am :

Ich hoffe, dass die lange Diskussion um den Schulnamen mit einem zukunftweisenden Beschluss ein Ende findet. Schulnamen sollten programmatisch wirken, im Unterschied zu Straßennamen.

Dr. Wilhelm R. Schmidt am :

Ich schließe mich in diesem Fall einer anderen Meinung an: "Sinnträchtig ist das nicht", meint RGA-Lokalchef Axel Richter. "Denn so verliert sich ein Stück Remscheider Geschichte. Sich kritisch mit dem Namensgeber auseinanderzusetzen ist hingegen sinnvoll".

Norbert Landen am :

Der Kommentar des RGA beschreibt die Sache ganz genau. Hat denn überhaupt eine Diskussion über den gewünschten neuen Namen gegeben?

Jürgen Koball am :

Also, das kann ich mir so vorstellen: Da gibt die Schulkonfernz in Anlehnung an EMA "Emma" in eine Suchmaschine ein... Hengasch, läßt grüßen.

Karsten Neldner am :

Dafür gibt es an der Schule die Schulmitwirkungsgremien. Die Eltern wählen den Klassenpflegschaftsvorsitzenden. Der vertritt die Interessen seiner Klasse in der Schulpflegschaft. Die wählen wiederum die Elternvertreter für die Schulkonferenz. Und soweit ich in der Presse verfolgen konnte, wurde die Entscheidung in der Schulkonferenz getroffen, also auch mit den Stimmen der Elternvertretern.

Johann Max Franzen am :

Ich glaube, dass der Rat der Stadt Remscheid das letzte Wort, oder?

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