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Die Kotten von der Bärenkuhle bis zum Hof Morsbach

Blick über die Häuser von Engelskotten zum Gockelshammer. Man erkennt den Bachverlauf und den Abzweig zum Obergraben Gockelshammer (links).Vorne rechts die Bärenkuhle.

Die Bärenkuhle im Morsbachtal hat sich während der Zeit der Eisenbahn Ronsdorf-Müngsten als willkommene Tränke für Pferde einen Namen gemacht. Sie war auch immer ein Anmarschziel der Morsbacher Feuerwehr, so lange diese im Hof die legendären Kirmessen feierte. Allzu gerne erinnern sich manche noch an die hervorragenden Obstweine, an die tellergroßen Schnitzel und überhaupt an die immer wieder gepflegten Getränke und guten bergischen Speisen, egal, wie die Pächter hießen. Um mich nicht „geistig festzusetzen“ in dieser gemütlichen Gaststätte, will ich schnell über den Engelskotten und den Danielskotten berichten: Diese liegen knapp 50 Meter oberhalb der Bärenkuhle. Aus heutiger Sicht (1999) ein hervorragend restauriertes Wohnhaus, das außer dem Anbau jedoch weitestgehend mit dem Schleifkotten identisch ist. Um 1560 wird erstmalig ein "Reckhammer in der Roßwiesen" genannt. Dieser ist gleichbedeutend mit dem 1598 im Elberfelder Lagerbuch erwähnten Schleifkotten in der Roßwiesen. Peter Herbert und Engel Picard bauten den unrentablen Reckhammer um. 1688 erhielten sie die Konzession, "ein absonderlich Geläuft zur Schleifung von Sensen" zu bauen. Ab 1800 ging die Anlage an Engelbert Picard über. Anhand der mundartlichen Überlieferung seines Vornamens (oder seines 1692 erwähnten Vorgängers?) heißt der Kotten noch heute Engelskotten.

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Sanierung von Haus Oelbermann kann sich verzögern

Das Röntgenmuseum in Lennep, als der moderne Anbau noch nicht entstanden war.Unmittelbar an der Stelle, wo Lenneps Stadtmauer vom „Schwelmer Tor" unterbrochen wurde, steht das „Deutsche Röntgen-Museum". Das Fachwerkhaus wurde 1803 von der Familie Oelbermann erbaut und am 18. Juli 1932 von der Stadt Remscheid erworben. Es dauerte aber noch bis  1951, ehe das Museum, mit seiner umfangreichen Bücherei in der Dependance Gänsemarkt 1 (Geburtshaus Röntgens), seinen offiziellen und heute noch gültigen Namen erhielt. Das Foto aus den 1920er Jahren zeigt links das alte Schieferhaus, das später dem modernen Anbau des Museums weichen musste.
(aus: „Remscheid. Ein verlorenes Stadtbild“, von Rolf Lotzmann, erschienen 1994 im Wartberg-Verlag)

Haus Oelbermann, der ältere Teil des Deutschen Röntgenmuseums an der Schwelmer Straße habe eine Auffrischung dringend nötig, hatte es damals im Kulturausschuss geheißen. Für die Verwaltung war das allerdings keine Neuigkeit. Sie hatte für die Fassadensanierung in den zurückliegenden Jahren Rückstellungen gebildet. Und teilweise auch schon abgerufen: Für die Instandsetzung der rückseitigen Fassade und der Seitenteile (u.a. Fenster und Schlagläden im Obergeschoss). Für die noch ausstehenden Sanierungsarbeiten an den Seiten und an der Vorderfront (Sanierung der Fenster und Schlagläden im Erdgeschoss) stünden noch 142.090,78 Euro zur Verfügung, sagte im November Stadtdirektor Sven Wiertz dem Waterbölles auf Nachfrage. Im Etat für 2020 wurde die Summe dann auf 330.000 Euro aufgestockt. Diese Sanierungsarbeiten sollten im September/Oktober 2020 abgeschlossen sein. Das wäre zu wünschen. Denn am 13. November soll nicht nur das Geburtshaus, Gänsemarkt 1, (in der Aula des Röntgengymnasiums) feierlich eröffnet werden, sondern für diesen Tag ist auch die Verleihung der Röntgen-Plakette geplant.

Da wäre es doch schaden, wenn das Haus Oelbermann sich im November noch so eingerüstet präsentieren würde wie zurzeit. Doch was bei Altbausanierungen häufiger vorkommt – die Entdeckung eines zusätzlichen Reparaturbedarfs (siehe Haus Cleff im Historischen Zentrum in Hasten sowie Gesimse, Fenster und Giebel des Turms am Lüttringhauser Rathaus) – ist auch in diesem Fall eingetreten, wie die mit der Sanierung betraute Fachfirma Rosendahl aus Duisburg nach Entfernung der Verblendungen an den Gesimsen feststellte. Thomas Judt, Chef des städtischen Gebäudemanagements, bestätigt es dem RGA: An den alten Eichenbalken seien morsche Stellen und Insektenbefall (Larven) entdeckt worden. Aber man sei „vorsichtig optimistisch“.  

Um auf der sicheren Seite zu stehen, auch hinsichtlich möglicher Zusatzkosten – möchte die Stadt einen Gutachter beauftragen, den Schaden am Holz näher in Augenschein zu nehmen; sie hat einen Experten aufgefordert, ein Angebot abzugeben. Das Vergabeverfahren, die Auftragsvergabe und die Untersuchung könnten womöglich die Sanierungsarbeiten verzögert, schließt Judt nicht aus. Denn Gutachter hätten erfahrungsgemäß volle Auftragsbücher. Da dürfte es dann also für die Restauratoren aus Duisburg zunächst „Warten!“ heißen. Denn erst wenn durch die nähere Untersuchung der Balken der zusätzliche Sanierungsbedarf festgestellt und die Arbeiten ausgeführt worden sind, wird die Sanierung der Fassade abgeschlossen werden können.

Als noch niemand an Karstadt oder Hertie dachte

Die Kölner Straße mit Blick in die Lenneper Altstadt um 1900.Die Kölner Straße mit Blick in die Lenneper Altstadt um 1900. Das imposante Gebäude (links), das noch bis in die 1960er Jahre dass Schuhhaus Flick beherbergte, steht an der Stelle, wo später dann die (inzwischen wieder demontierte) „Brunnenplastik" vor dem Schuhhaus Wegener und der Stadtsparkassenfiliale „sprudelte". Rechts steht das 1926 erbaute Kaufhaus Karstadt, später Hertie, inzwischen wieder teilweise mit „Innenleben“ (von EDEKA und ALDI). Ungefähr auf dem Gelände des Kaufhauses stand ehedem die Bauendahlsche Fabrik, später von Friedrich Hardt gekauft und 1907 abgebrochen. Ab 1913 stand gleicher Stelle das Bekleidungshaus Dörrenberg. (nach: „Remscheid. Ein verlorenes Stadtbild“, von Rolf Lotzmann, erschienen 1994 im Wartberg-Verlag)

Mit späteren Schmiede-Techniken kaum zu übertreffen

Der Diederichshammer um 1925.
Im Hammertal am Lobach klopften einst die Wasserhämmer um die Wette. Wie hier der Diederichshammer (um 1925) produzierten die Hämmer hochwertigen Raffinierstahl oder verarbeiteten ihn weiter. Der Diederichshammer (nicht zu verwechseln mit dem Kotten) wurde im 17. Jahrhundert erbaut; man nannte ihn auch Eisen- oder Looshütte. 1731/32 fiel er dem Handelshaus Diederichs zu. 1935 wurde er abgebrochen. Der Talweg entlang der historischen Hammerplätze ist heute als Industrielehrpfad gut ausgeschildert. (aus: „Remscheid. Ein verlorenes Stadtbild“, von Rolf Lotzmann, erschienen 1994 im Wartberg-Verlag)

Teil III

Die Wasserhämmer der alten Zeit waren sogenannte Schwanzhämmer. Sie waren höchstens 84 kg schwer. Je leichter der Eisenklotz des Hammers, desto schneller der Gang. Umgekehrt musste aber die Hammerwelle möglichst umfangreich und kurz sein. Die stärksten Eichenstämme, deren man habhaft werden konnte, mussten oft unter den größten Schwierigkeiten aus entlegenen Waldschluchten herangeschafft werden. Je mehr die Bergischen Wälder durch die Herstellung der Holzkohlen ausgenutzt wurden, desto seltener wurden diese Baumriesen und desto umständlicher und kostspieliger die Beschaffung der Hammerachsen.

Die Hammerwerke wurden, wie bereits angedeutet, in Eisen-, Rohstahl-, Reck- und Breithämmer unterschieden. Außer diesen führt der Kellner Francken noch Stahl- und Selbsthämmer auf, die wahrscheinlich mit den Reckhämmern gleichbedeutend sind. Vielleicht sind aber auch darunter, sowie unter den vom Beyenburger Rentmeister Karsch erwähnten Klopfhämmerchen Anlagen zu verstehen, die im Dienst der Werkzeugschmiederei standen.

Die Eisenhämmer bearbeiteten das vom Handwerk reichlich verwendete Eisen, das später vorwiegend aus der Radevormwalder und Hückeswagener Gegend sowie aus dem Märkischen bezogen wurde. Sie gaben ihm die Form von Stangen, Bändern, Platten und Blechen, wie sie von den Werkstätten gewünscht wurden. In den Rohstahlhämmern wurden die aus den Siegerländer Hütten) bezogenen Rohluppen oder Stahlkuchen einer weiteren Bearbeitung unterzogen, indem man die spröden Stahlkuchen in Stücke zerschlug, mit zugesetzten Eisenmengen zusammenschmolz und dann unterm Hammer gründlich durcharbeitete. Man bezweckte damit die teilweise Entziehung des Kohlenstoffgehalts und die Befreiung von der noch beigemischten Schlacke. Zuletzt wurde das Erzeugnis unter dem Hammer zu Stangen geschmiedet und zu dünnen Stäben ausgereckt. Das Verfahren war recht umständlich; denn fünfmal, unter Umständen noch öfter, musste das Rohmaterial warm gemacht und durchgeschmiedet werden, bis sich die anfangs getrennten Stahlkörner auf dem Herd zu einer einheitlichen Masse, dem sogenannten „Schrey", vereinigten.

Die Hämmer bei Remscheid, Cronenberg und Lüttringhausen hatten sich schon im Anfang des 18. Jahrhunderts fast ausschließlich der Verfeinerung des aus dem Siegerland bezogenen Rohstahles zugewandt. In diesen als Raffinierhämmer bezeichneten Werken wurde Schmiedeeisen und Stahl durch wiederholtes Zusammenschweißen und Ausschmieden, das sogenannte Gärben oder Raffinieren, zur Herstellung von Waffen und feineren Werkzeugen zubereitet. Diese Hämmer hatten eine zwiefache Aufgabe. Sie brachten nicht nur das Material in die zweckmäßigste Form, sondern sie verbesserten es auch. Bei dem wiederholten Erhitzen wurden die härteren Partien durch die weicheren entkohlt, und unter den Schlägen des Reckhammers erfolgte die Auspressung der noch beigemischten Unreinigkeiten und gleichzeitig die Verdichtung der Masse. Die Auswahl der verschiedenen Stahl- und Eisensorten und ihre zweckentsprechende Zusammenfügung, sowie die weitere Verarbeitung setzten ein hohes Maß von Erfahrung und Geschicklichkeit voraus. Die Bergischen Raffinierschmiede hatten es in der Bereitung geeigneter Werkzeugstähle soweit gebracht, dass ihre Erzeugnisse bis heute von der fortgeschrittenen Technik kaum übertroffen worden sind.

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Die 1950-er in RS: In den Stadtteilen entstanden Woll-Läden

Foto: Alfred LambeckHandarbeitsunterricht war in den 1950-er Jahren ein wichtiges Thema angesichts knapper Haushaltskassen. Zuschneiden, Nähen, Stricken und Sticken hatten Hochkonjunktur - auch wenn die Nähmaschinen noch sehr einfach und fußbetrieben waren. Schnittmuster wurden fleißig mit dem Kopierrädchen auf den Stoff übertragen. Und Wollgeschäfte entstanden überall in den Stadtteilen. (aus: „Remscheid. Bewegte Zeiten – Die 50er Jahre“, von Alfred Lambeck,Text und Fotos, erschienen 1999 im Wartberg-Verlag)

Die 1950er in RS: Hotel Leyer, das "erste Haus am Platze"

Foto: Lothar Kaiser

Das Hotel Leyer war das '1. Haus am Platze'. Foto: Alfred Lambeck.Auch das sind die 1950er Jahre in Remscheid: Neuer Wohlstand breitet sich aus. In Bahnhofsnähe entstand an alter Stelle, auf der Ecke Bismarckstraße/Nordstraße – nun in den nüchternen Zweckformen der Zeit -  das Hotel Leyer, das „erste Haus am Platze", neu. Und auf dem Gästeparkplatz war neben bescheideneren Karossen auch der üppige „Adenauer-Mercedes" zu sehen. An gleicher Stelle wurde in späteren Jahren, dieser schlichte Hotelturm errichtet, das Investment eines Remscheider Unternehmers, das sich allerdings nicht rechnete. Seitdem hat das Hotel wiederholt den Besitzer gewechselt. (nach: „Remscheid. Bewegte Zeiten – Die 50er Jahre“, von Alfred Lambeck,Text und Fotos, erschienen 1999 im Wartberg-Verlag)

Alleestraße wurde 1971 zur Fußgängerzone

Das Remscheider Rathaus 1929. Foto: Historisches Zentrum RSDie Alleestraße ist die »Haupteinkaufsmeile« der Stadt. (…) Die alte Landstraße hat sich innerhalb von nur 50 Jahren zur Hauptgeschäftsstraße mit großstädti­schem Flair entwickelt. (…)Prägende Elemente des öffentli­chen Raums auf der Alleestraße sind die „Zange“ … und die drei Brunnen vor dem Allee-Center, den Alleearkaden … und dem Mark., (…) Die bauliche Entwicklung des werdenden Stadt­zentrums folgte im Laufe des 19. Jahrhunderts den vom Markt aus sternförmig angelegten Aus­fallstraßen. Während die Scheider Straße [heutige Alleestraße] bis in die späten 1820er Jahre noch völlig unbebaut war, erhielt sie 1853, während sie schon zu einem Großteil beidseitig bebaut war, Alleebäume. 1856 wurde sie schließlich in Allee­straße umbenannt.

Mit dem Bau der Straßenbahn 1893 hat sich der Charakter des Remscheider Stadtzentrums und besonders der Alleestraße maßgeblich verändert. Die Bäume der Alleestraße mussten der Oberlei­tung der Straßenbahn weichen. Zudem wurde die Alleestraße verbreitert und mit gründerzeitli­chen Wohn- und Geschäftshäusern neu bebaut. Mit dem Bau des Remscheider Rathauses 1906) ist die Bedeutung der Alleestraße weiter gewachsen, denn sie ist seitdem das Bindeglied zwischen dem gewachsenen Zentrum der Stadt und dem neuen Symbol der Großstadt.

1943, während des Zweiten Weltkriegs, wurde fast die gesamte der Remscheider Innenstadt in Schutt und Asche gelegt. (…) Im Laufe des Wirtschaftswunders der späten 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhundert wurden die Baulücken im Stadtzentrum mit zeitgenössischer Architek­tur geschlossen. Gleichzeitig wuchsen die Verkehrsströme durch die steigende Anzahl an Pkw enorm. Der Markt hat sich in dieser Zeit zu einem durch Straßenbahnen, Busse und Pkw hoch be­lasteten Verkehrsknotenpunkt entwickelt. 1968 wurde der Straßenbahnbetrieb in Remscheid eingestellt. In den darauf folgenden Jahren [1971-74] wurde die Alleestraße zur Fußgängerzone umgestaltet. Durch Trennung der Verkehrsarten und die Be­grünung wurde die Haupteinkaufstraße auch zur Flaniermeile. Die Gestaltung der Fußgängerzo­ne entsprach dem Zeitgeist. Mit der Begrünung durch Pflanzbeete, die weit in die Straßenmitte ragten, und Bauten im Straßenraum wurde die Alleestraße in einzelne Abschnitte gegliedert. Der ursprüngliche Alleecharakter wurde allerdings nicht wieder hergestellt.

Durch den Bau des Allee-Centers 1986 an der oberen Alleestraße wurde die Zentralität der Remscheider Innenstadt weiter erhöht. (…) 1996 und 2008 folgten Erweiterungen des Baus. Heute reicht der Komplex bis an die Hochstraße und die Elberfelder Straße und es befinden sich dort neben Dienstleistern und Arztpraxen auf ca. 30.000 Quadratmetern Geschossfläche ca. 69 Fachgeschäf­te (ohne Gastronomie und Arztpraxen). Mitte der 1990er Jahre wurde der Block zwischen Allee-Center und Scharfstraße durch eine inner­städtische Bebauung, die die eingeschossigen Baracken („Stadthof“) ersetzt hat, neu definiert. Ende der 1980er Jahre wurden mit dem Bau der Wansbeckstraße die Voraussetzungen für eine weitere Vergrößerung der Fußgängerzone ge­schaffen, in der Folge wurde im Lauf der 1990er Jahre neben der Neugestaltung der Alleestraße auch der Markt umgebaut. (…) Mit dem Bau der Markthalle, die heute gastrono­misch genutzt wird, sollten die ursprünglichen Di­mensionen und Nutzungen des Marktes aus der Vorkriegszeit wieder hergestellt werden. Nahezu zeitgleich wurde die Alleestraße neu ge­staltet. Seitdem sind die prägenden Elemente der Remscheider Haupteinkaufsstraße und Fußgän­gerzone die zwei Baumreihen, wodurch die Allee­straße wieder dem Straßennamen gerecht wird, und die drei gastronomisch genutzten Pavillons in der Straßenachse. (…)

Die „Hauptschlagader der Seestadt auf dem Berge“ – die Alleestraße um 1930. Die Straße ist gepflastert, und das zweite Straßenbahngleis, mit dessen Verlegung 1907 begonnen wurde, ist auf dem Foto gut zu erkennen. Mit der durchgehenden Pflasterung der Straße war am 25. Mai 1900 begonnen worden. Um 1880 schrieb ein Chronist: "Die Straße ist ungepflastet und mit Straßengräben versehen. Die wenigen eineinhalb bis zweistöckigen Häuser sind an einer Hand abzulesen. Bei schönem Wetter ist der Staub eine Plage. Und beim Regen...". Dass die Allestraße ihrem Namen nicht gerecht wurde, fiel schon 1910 auf: "Es stehen zu wenige Bäume hier". (aus: „Remscheid. Ein verlorenes Stadtbild“, von Rolf Lotzmann, erschienen 1994 im Wartberg-Verlag)

Mit der Aufgabe des Kaufhofs in den 1990er Jahren und der Schließung von Sinn / Leffers sowie weiterer Fachgeschäfte als Gegenpol zum Allee-Center ließ die Bedeutung der unteren Alleestraße als wichtiger Bestandteil des Remscheider Einzelhandelslagen-Systems si­gnifikant nach. Die seit Jahren zu beobachtende hohe Fluktuation, die Ansiedlung von Billiganbie­tern und einfachen Gastronomiebetrieben sowie Leerstände sind Merkmale einer beständigen Verringerung des Leistungs- und Qualitätsniveaus der Alleestraße etwa östlich der Einmündung der Wiedenhofstraße. Mehrere Einzelhandelsbe­triebe gaben in der Vergangenheit ihre dortigen Standorte auf, um in die attraktivere Lage in der Nähe des Allee-Centers zu ziehen. Dort konnten sich insbesondere Textilfachgeschäfte etablieren. (…) Im Zusammenhang mit den wachsenden Leerständen die Öffnung der unteren Alleestraße für den Autoverkehr wieder als Zukunftsmodell diskutiert. (nach „Planungswerkstatt Innenstadt“, Broschüre für die Teilnehmer der Workshops im Rathaus am 3. Juli 2012. Quelle: Geschichte unserer Stadt von Hans Jürgen Roth)

Die 1950-er in RS: Theaterneubau ließ auf sich warten

Fotos: Alfred Lambeck Wie große Teile der Stadt, so sank im Sommer 1943 auch das alte Stadttheater an der Brüderstraße – hier ein Blick von der Bühne auf den einstigen Saal – in Schutt und Asche (Foto links). An einen Wiederaufbau an dieser Stelle war nicht zu denken. Pläne für einen Neubau an anderer Stelle gab es früh, aber am Geld mangelte es lange. Und an der Entschlusskraft gleichermaßen. Als die Remscheider Stadtväter endlich darüber nachdachten, der Stadt doch wieder eine würdige Spielstätte für Theater und Konzerte zu schaffen, brauchten sie Jahre und eine ganze Serie von Beschlüssen, be­vor dann endlich mit dem Neubau - nun an der heutigen Konrad-Aden­auer-Straße - begonnen werden konnte. Mit einer Bergischen Kulturwo­che wurde das Haus schließlich im Oktober 1954 festlich eingeweiht. Auf dem Eröffnungsspielplan stand Schillers „Wallenstein". (aus: „Remscheid. Bewegte Zeiten – Die 50er Jahre“, von Alfred Lambeck,Text und Fotos, erschienen 1999 im Wartberg-Verlag)

Die 1950-er in RS: Gute Zeiten für Baufirmen

Fotos: Alfred Lambeck

Remscheid in den 50-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, das hieß Aufbruch, Wandel, Fortschritt aller Orten. Etwa an der Alleestraße (Foto rechts), wo der mittlere und untere Teil der damals noch uneingeschränkt befahrbaren Verkehrsstraße (im Bild die Schienen der Straßenbahn) aufblühte. Damals entstand der Neubau für das Kaufhaus Sinn, inzwischen ein mehr als ärgerlicher Leer- und Stillstand. Oder (Foto links) Remscheids erstes Wohngebäude mit mehr als zehn Stockwerken (von der Dünkeloh-Klinik aus gerechnet) –das so genannte Glückaufhaus am Karl-Jarres-Platz eingangs der Hindenburgstraße. Es entstand in den Jahren 1953 und 54. Daran entlang fuhr damals die Straßenbahn Richtung Schützenplatz. (nach: „Remscheid. Bewegte Zeiten – Die 50er Jahre“, von Alfred Lambeck,Text und Fotos, erschienen 1999 im Wartberg-Verlag)

Die 1950-er in RS: Lange hielt sich die Straßenbahn

Länger als in vielen anderen deutschen Städten blieb in Remscheid das die Straßenbahn das zuverlässige Rückgrat des „öffentlichen Personennahverkehrs", wie es im gestelzten Amtsdeutsch noch heute heißt. Hier ein Blick ins Straßenbahndepot an der Neuenkamper Straße. Der damalige Chef der Verkehrsbetriebe war ein überzeugter Verfechter des schienen­gebundenen elektrischen Straßenver­kehrs. Zu recht, wie man sehr viel später einsehen musste. Der 5. Mai 1955 war ein schwarzer Tag für die Remscheider Straßenbahn. Auf der Hastener Straße, unterhalb der „Schönen Aussicht", schleudert ein Lastzug gegen die bergwärts fahrende Straßenbahn und reißt den Wagenkasten bis zur Mitte auf. Zum Glück ist die Bahn nur schwach be­setzt. Eine Frau wird schwer verletzt. vier Fahrgäste erleiden leichtere Verlet­zungen. Der geistesgegenwärtige Schaff­ner verhindert eine mögliche Katastro­phe. Er bringt den führerlos talwärts rol­lenden Wagen nach 95 Metern zum Stehen. Der Wagenführer war unterdessen hilflos eingeklemmt. (nach: „Remscheid. Bewegte Zeiten – Die 50er Jahre“, von Alfred Lambeck,Text und Fotos, erschienen 1999 im Wartberg-Verlag)

Die 1950-er in RS: Die Motorisierung nahm rasant zu

Der Motorroller hatte seine Blüte­zeit in den 1950-er Jahren. Vespa vor al­lem, aber auch Lambretta und deutsche Marken feiern Absatzrekorde. Auch da­mals schon bedeutet Motorisierung für die Remscheider Freiheit und Mobilität - auch wenn man mit 125 Kubikzentime­tern Hubraum vor allem den Nahbereich „erobert". Mit dem Vespa-Club wurden damals Ausflüge unternommen. Mit dem Verkehr auf den Straßen wuchsen auch die Auf­gaben der Polizei. Nicht zuletzt  ange­sichts der erschreckend ansteigenden Un­fallziffern und der Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang in Autos ohne Anschnallgurte und fernab aller heutigen Kategorien der passiven Sicherheit. Im Oktober 1954 bekam die Remscheider Polizei neue, schnellere Einsatzfahr­zeuge: Im Hof des ehemaligen Polizeipräsidiums an der Martin-Luther-Straße wurden drei nagelneue Opel Ka­pitän an die Verkehrspolizei übergeben. Zur Ver­kehrsüberwachung war schon um 1950 die Verkehrserziehung getreten  - mit ersten, noch unbeholfenen Gehversu­chen. Damals galt das Prinzip der probaten Ab­schreckung. Also fährt Gevatter Tod mit auf der Straßenbahn - hier auf der Linie 4 - oder tritt den Kraftfahrern an gefährli­chen Kreuzungen und Brücken entgegen. (nach: „Remscheid. Bewegte Zeiten – Die 50er Jahre“, von Alfred Lambeck,Text und Fotos, erschienen 1999 im Wartberg-Verlag)

Die 1950-er in RS: Diesel-Schienenbus war die Ausnahme

Mai 1952: Im Personennahverkehr, der im weitläufigen Stadt­gebiet eine sehr wichtige Rolle spielt, geht es wieder aufwärts. Nagelneu ist der Schienenbus, der hier zu seiner ersten Fahrt von Lennep über Bergisch-Born nach Wipperfürth startet.

Das neue Angebot wird freudig akzeptiert, denn der eigene Pkw ist ein Traum, der für die meisten noch in weiter Feme liegt. Der Schienenbus mit Dieselantrieb blieb allerdings noch lange die Ausnahme. In der Regel trug die gute alte Dampflok die Hauptlast der Traktion von Personen- und Güterzügen.

Der „Zugbildungsbahnhof“ Remscheid-Lennep bot in jenen Jahren noch vielen Menschen Arbeit. Denn Betrieb und Wartung der Lokomotiven, die zum Teil noch aus der Vorkriegszeit stammten, war personalintensiv. Allein für die regelmäßige Reinigung der Personenzüge waren 36 Putzer eingesetzt. (nach: „Remscheid. Bewegte Zeiten – Die 50er Jahre“, von Alfred Lambeck,Text und Fotos, erschienen 1999 im Wartberg-Verlag)